Dissertationen bedeutender Doktorväter - Christian Thomasius, Friedrich Hoffmann und Johann Samuel Stryk.


Die 1693 auf dem Grundstock einer Ritterakademie gegründete Universität Halle erfreute sich, zumindest in Bezug auf die juristische und medizinische Fakultät, schon bald nach ihrer Gründung einer Reputation und Anziehungskraft, die in Deutschland kaum von einer anderen Universität übertroffen wurden.

Zu den herausragenden Wissenschaftlerpersönlichkeiten, denen die „Reformuniversität“ Halle ihre Attraktivität verdankte, zählten Friedrich Hoffmann, Christian Thomasius wie auch Johann Samuel Stryk.

Friedrich Hoffmann

Friedrich Hoffmann, 1660 in Halle als Sohn eines praktischen Arztes geboren, übernahm 1693 die Gründung der medizinischen Fakultät der dortigen Universität. Mit Ausnahme einer dreijährigen Unterbrechung aufgrund einer Bestellung zum Leibarzt König Friedrich I. entfaltete Hoffmann eine unermüdliche Produktivität in akademischer Lehre und ärztlicher Praxis. Hoffmann, der in Halle nicht weniger als 53-mal als Dekan amtierte, zählte zu den meistgelesenen medizinischen Autoren des 18. Jahrhunderts. Die unter ihm entstandenen und verteidigten Dissertationen spiegeln sein besonderes Interesse an der ärztlichen Therapie und an der Umsetzung des theoretischen Wissens in die Praxis wider. Wenn die Hallenser medizinische Fakultät zu Beginn des 18. Jahrhunderts mehr Promovenden verzeichnen konnte als alle anderen deutschen Universitäten, so ist dies – neben seinem Kollegen und Konkurrenten Georg Ernst Stahl – in erster Linie der Aktivität Friedrich Hoffmanns zu danken.

Aktuell bieten wir folgende von Hoffmann als Präses verantwortete Dissertationen an:



Septem Leges Sanitatis - Die sieben Regeln der Gesundheit. Halle 1713. Präses: Friedrich Hoffmann. Defendent: Johannes Friedrich Ritter.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 915,00 Euro.



De Aeris Intemperie Multorum Morborum Causa - Von ungesunder Luft als Ursache vieler Krankheiten. Halle 1715. Präses: Friedrich Hoffmann. Defendent: Johann Leonhard Geiniz.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 730,00 Euro.


De Medicamentis Infidis - Von den unzuverlässigen Medikamenten. Halle 1713. Präses: Friedrich Hoffmann. Defendent: Carl Friedrich Creutz.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 685,00 Euro.



De Ratione Praeside Universae Medicinae - Über die Vernunft als Schutzherrin und Leiterin der gesamten Heilkunst. Halle 1713. Präses: Friedrich Hoffmann. Defendent: Daniel Gottlieb Messerschmied. Messerschmied (oder Messerschmidt) gelangte als Arzt und Rußlandforscher (insbesondere durch seine Sibirien-Expedition, die er mit einer ausführlichen Dokumentation der dortigen Flora und Fauna verband) zu beträchtlichem Ansehen.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 990,00 Euro.



De Praecavendis Morbis, Et Praematura Morte - Über Vorbeugung (bzw. Verhütung) von Krankheiten und dem vorzeitigen Tod. Halle 1713. Präses: Friedrich Hoffmann. Defendent: Johann Georg Weber.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 640,00 Euro.


Christian Thomasius


Christian Thomasius, der überragende Rechtsgelehrte seiner Zeit, zählte neben Hoffmann zu den auch noch heute bekannten Gelehrtenpersönlichkeiten, die für die Attraktivität der Hallenser Universität verantwortlich waren und zahlreiche Studenten und Promovenden anzogen.

Christian Thomasius, 1655 als Sohn eines Professors geboren, zu dessen Schülern Leibniz zählte, musste 1690 aus Leipzig fliehen, wo ihm aus politisch-ideologischen Gründen Verfolgung drohte, nachdem er in einem Rechtsgutachten die reformiert-lutheranische Mischehe zwischen fürstlichen Personen verteidigt hatte. Thomasius, der bereits 1687 Vorlesungen in deutscher Sprache angeboten hatte, nahm nach der Gründung der Hallenser Universität eine herausragende Funktion für den Aufbau der juristischen Fakultät ein und übernahm zugleich Lehraufgaben auf philosophischem Gebiet. Die juristische Fakultät gewann – nicht ausschließlich aber in erster Linie – aufgrund seiner Aktivität eine solche Bedeutung, dass sich zu seinen Lebzeiten mehr als die Hälfte aller in Halle Studierenden an der juristischen Fakultät immatrikulierten. Thomasius, der einer breiteren Öffentlichkeit am ehesten als „Vater der deutschen Aufklärung“, Vertreter der Naturrechtslehre, engagierter Gegner der Hexenprozesse und „Gelehrter ohne Misere“ in Erinnerung ist, thematisierte in den von ihm verfassten oder angeregten Dissertationen auch zahlreiche Fragen von aktueller politischer Relevanz. Dass viele der von ihm inspirierten oder seiner eigenen Feder entsprungenen Inaugural-Dissertationen weiter über den Rahmen eines Promotionsverfahrens hinaus von wissenschaftlicher und publizistischer Bedeutung waren, zeigt sich auch darin, dass etliche dieser Abhandlung noch lange nach dem Tode von Thomasius im Jahre 1728 mehrere Neuauflagen erlebten.

Bei den hier angebotenen Dissertationen handelt es sich indessen um rare Erstauflagen:



XXX Theses Ex Jure Vario - 30 Thesen aus verschiedenem Recht. Halle 1698. Präses: Christian Thomasius. Defendent: Christoph Friedrich Plathner. Plathner (1671-1755), der auch zum Doktor der Theologie promoviert wurde, wirkte später als Syndikus in Goslar und avancierte zum Königlich Preussischen Hofrat.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 250,00 Euro.


De Homicidio Linguae - Über den Rufmord. Halle 1699. Präses: Christian Thomasius. Defendent: Gottfried Vogler.

Preis (MwSt. und versicherter Versand incl.): 430,00 Euro.

Johann Samuel Stryk

Fraglos zu den bedeutenden Hochschullehrern der Universität Halle zählte auch Johann Samuel Stryk (1668-1715), der einzige Sohn des ebenfalls in Halle lehrenden Samuel Stryk. Johann Samuel Stryk, der in Halle zunächst eine außerordentliche Professor bekleidete, nachdem er unter seinem Vater promoviert wurde, rückte 1696 auf die vierte und 1710 auf die dritte ordentliche Professor vor. Seine Tätigkeitsschwerpunkte lagen vor allem im Kirchen- und Eherecht, zur Modernisierung des Letzteren leistete Stryk einen nachhaltigen Beitrag.

Aktuell bieten wir einen Sammelband mit 18 von Stryk betreuten Dissertationen sowie einer von ihm 1692 in Basel bestrittenen juristischen Disputation an. Unter den Inaugural-Dissertationen befinden sich auch zwei Arbeiten von weiteren Mitgliedern der Familie Stryk (Neffen), die bei Johann Samuel Stryk promoviert wurden. Die in dem neueren kartonierten Band zusammengefassten Dissertationen befinden sich in einem guten Erhaltungszustand, sind zum Teil für ihre Zeit überdurchschnittlich umfangreich und häufig mit aufwändigen Vignetten verziert.

 Im einzelnen umfasst der Sammelband die folgenden Abhandlungen:


1. De potentiore cessionario. Defendent: Caspar Wilhelm Boeckel. Halle1693. 89 S.
2. De probatione sponsaliorum. Defendent: Jo. Matthias Biester. Halle 1711. 39 S. und anschließende Gratulationen.
3. De prodomino feudi directo. Defendent: Gebh. Christian Bastineller. Halle 1711. 52 S.
4. De qualitate et iure personarum matrimonium contrahentium. Defendent: Jo. Laurenz Schooff. Halle 1710. 75 S. und anschließende Gratulationen.
5. De origine et usu iurisdictionis ecclesiasticae. Defendent: Heinrich Kellinghusen. Halle 1710. 53 S.
6. De officio iudicis circa peieraturum, vel otiose iuraturum. Defendent: Johannes Michael Eschenwecker. Halle 1708. 36 S. und anschließende Gratulationen.
7. De natura sponsaliorum et divisione. Defendent: Tobias Hermann. Halle 1710. 56 S.
8. De iure spectrorum. Defendent: Andreas Becker. Neuauflage Jena 1745 (Disputation 1700). 40 S.
9. De exsecrationibus testatorum. Defendent: Samuel Fridrich Stryk. Halle 1698. 54 S. und 2 S. Corollaria.
10. De eo quod iustum est circa identitatem. Defendent: Daniel Westing. Halle 1709.     56 S.
11. De emendatione processus forensis. Defendent: Gottlob Zeibig. Halle 1712. 38 S.
12. De fine matrimonii – von dem Endzweck der Ehe. Defendent: Christian David Schroeder. Neuauflage 1739 (Disputation 1708). 56 S.
13. De derogatione futurae dispositionis. Defendent: Jo. Fridrich Schmidt. Halle 1694.   56 S.
14. De dissensu utriusque desponsatorum. Defendent: Maximilian Philipp Magir von Logau. Halle ca. 1695 (kein Datum angegeben, nur Mai matutinis). 43 S. und eine Seite Corallaria.
15. De causis iuramentum suppletorium respuentibus. Defendent: Fridrich Arnold Beck. Halle 1710. 28 S. und anschließende Gratulationen.
16. De confirmatione principis. Defendent: Johannes Giese. Halle 1705 (Disputation 13. April 1695). 80 S.
17. De bona fide ad praescriptionem actionum necessaria. Juristische Disputation Johannes Samuel Stryks an der Universität Basel. Basel 1692.
18. De absoluto per sententiam iniustam, ad effectus civiles non obligato. Defendent: Ernst Zacharias Bötticher. Halle 1710. 32 S.
19. De abolitione principis. Defendent: Heinrich Christian Stryk. Halle 1695. 112 Seiten
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Preis (Versicherter Versand und MwSt. incl.) : 1950,00 Euro.