Sammlung "Konkurs". Juristische Dissertationen aus den Jahren 1653 bis 1789


Dieses Angebot umfasst 17 Abhandlungen zum Thema "Konkurs" sowie zusätzlich das Programm zur Disputation einer der hier vertretenen juristischen Dissertationen. Bei diesen handelt es sich um 16 Inaugural-Dissertationen ("Doktorarbeiten") sowie eine akademische Streitschrift.

Vertreten sind die Universitäten Rostock, Jena, Wittenberg, Altdorf, Halle, Greifswald, Rinteln, Leipzig und Göttingen.

Die einzelnen Arbeiten decken ein breites Spektrum der mit dem Konkurs verbundenen juristischen Aspekte ab und veranschaulichen in ihrer Gesamtheit eindrucksvoll die uneinheitliche Entwicklung der Rechtswissenschaft im Zeitraum zwischen Absolutismus und französischer Revolution. Insbesondere zu erkennen ist die zunehmende Bedeutung des deutschen, zum Teil auch regionalen, Rechts und dessen Abgrenzung gegenüber dem römischen Recht.

Unter den Autoren finden sich, sowohl auf der Seite der "Doktorväter" wie auch unter den Promovenden, etliche bedeutende Namen. Dazu zählen der Thomasius- und Stryk-Schüler Georg Beyer, der besonders für die Entwicklung des evangelischen Kirchenrechts bedeutsame Justus Henning Boehmer und August (von) Balthasar. Dass die Söhne von Professoren im 17. und 18. Jahrhundert mit großer Wahrscheinlichkeit selbst wieder eine akademische Karriere machten, veranschaulichen Vater und Sohn Struve und Vater und Sohn Wiese in spezieller Weise. Vater Struve fungierte als Präses einer Disputation des eigenen Sohnes, der dann in der Folgezeit selbst zum Professor avancierte. Sohn Wiese, dessen Promotionsverfahren  unter dem Vorsitz des Vaters, des mehrfachen Rektors der Universität Rostock, erfolgte, schlug hingegen später eine politische und Verwaltungskarriere ein, wurde geadelt und schließlich Geheimer Rat und Kanzler der reußischen Gesamtregierung.

Die in ihrer Zusammenstellung singuläre Sammlung umfasst die folgenden Schriften, von denen einige deutschlandweit in öffentlichen Bibliotheken in weniger als 15 Exemplaren überliefert sind:

De concursu creditorum eorumque privilegiis - Über den Konkurs der Gläubiger und deren Privilegien. Greifswald 1653. Präses: Peter Stephan. Defendent: Dethlev Held.



De Liquidatione - Über die Liquidation. Rostock 1664. Präses: Heinrich Rudolph Redeker. Defendent: Johan. Christian Süstermann.





Struvius non errans sive analecta quaedam ad Antonii a Mara tractatum de concursu creditorum in foro civili formando - Struve irrt sich nicht oder einige Anmerkungen zu Antonio a Maras Traktat über den Konkurs der Gläubiger im zivilen Recht. Jena 1691. Präses: Georg Adam Struve. Defendent: Burkhard Gotthelf Struve. In dieser Streitschrift verteidigte der später vor allem als Historiker bedeutsame Burkhard Gotthelf Struve Auffassungen seines Vaters, des Jenenser Professors der Rechtswissenschaften und Autors eines der wichtigsten juristischen Lehrbücher seiner Zeit ("Iurisprudentia Romano-Germanica forensis") Georg Adam Struve, gegen Ansichten des Anton a Mara, i.e. Elias Schneegaß.



De incommodis quibusdam concursus creditorum in foro saxonico - Über einige Unannehmlichkeiten des Konkurses von Gläubiger im sächsischen Gerichtswesen. Wittenberg 1707. Präses: Georg Beyer. Defendent: Samuel Gottlob Manick.




De ordine quorundam creditorum peculiari in concursu ex statut. Hamburg. - Über die Stellung irgendwelcher Gläubiger, besonders im Konkurs, gemäß den Hamburger Statuten. Altdorf 1726. Präses: Georg Friedrich Deinlin. Defendent: Anton Cordes. Deinlin lehrte in Altdorf Kodex und Lehensrechts und erreichte den Status eines Seniors der Juristischen Fakultät, nachdem er zuvor bereits Rat der Reichsstadt Nürnberg wurde.



Pactum remissorium maioris partis chirographiorum in concursu creditorum non esse iuris romani - Darüber dass die Klausel der Gläubiger, den Großteil der Verträge beim Konkurs einseitig auflösen zu können, nicht römischem Recht entspricht. Halle 1729. Defendent: Johann George Werenberg. Werenberg studierte zunächst Theologie; nachdem er seine Predigertätigkeit wegen eines Brustleidens aufgeben musste, nahm er das Studium der Rechtswissenschaften auf und wurde nach der Promotion 1730 Inspektor und Professor an der Ritterakademie zu Lüneburg.




De separatione bonorum in creditorum concursu ad quinquennium non restricta - Über die unbeschränkte Trennung der Güter bei der Gläubigerversammlung. Rostock 1734. Präses: Jacob Carmon. Defendent: Johann Heinrich Eggerdes.




De pacto remissorio moto concursu - Über die Vertragsauflösung nach dem Konkurs. Halle 1735. Präses: Justus Henning Böhmer. Defendent: Johann Friedrich Schneidewein.




De pecunia assecurationis in locat. conductione praediorum soluta, ejusque in concursu creditorum jure - Über das Vermögen des Friedensbündnisses, das im gegenseitigen Vertrag über den Grundbesitz gezahlt wurde und dessen Recht im Konkurs der Gläubiger. Greifswald 1739. Präses: August Balthasar. Defendent: Martin Gustav Fischer.




De concursu extra concursum creditorum - Der Konkurs außer durch den Zusammenlauf der Gläubiger. Halle 1744. Präses: Justus Henning Böhmer. Defendent: Friedrich Reinhard Hofmann.




De Usuris Jure Lubecensi, In Concursu Creditorum - Über Zinsen nach dem Lübecker Recht im Konkursfall der Gläubiger. Greifswald 1749. Präses: Augustin von Balthasar. Defendent: Christoph Erich Hertzberg. Rücken der Bindung fehlt. Balthasar (1701 - 1786) war bereits seit 1727 Professor in Greifswald. Er wurde 1746 geadelt, was erklärt, warum er in dieser Dissertation als "de Balthasar" aufgeführt wird, während das Titelblatt der unter seinem Vorsitz 1739 von Fischer verteidigten Dissertation (s.o.) noch den Präses als "Augustin Balthasar" ausweist. Balthasar, mehrfacher Rektor der Universität Greifswald, beendete seine Karriere als Vizepräsident des Wismarer Tribunal, des höchsten Gerichts, das für die an Schweden gefallenen Reichslehen zuständig war.




De iure pignoris imminente creditorum concursu - Über das Pfandrecht bei drohendem Konkurs. Rinteln 1751. Präses: Friedrich Ulrich Pestel. Defendent: Reinier Smith. Pestel (1691 - 1764) wurde nach dem Studium in Rinteln und Frankfurt/Oder  selbst 1722 in Rinteln promoviert, nachdem er dort bereits seit 1717 (zunächst als Professor der Moral, dann seit 1720 als ordentlicher Professor der Rechtswissenschaft, schließlich seit 1727 der Pandekten) lehrte.





De concursu creditorum - Über den Konkurs/Zusammenlauf der Gläubiger. Rostock 1752. Präses: Ernst Johann Friedrich Mantzel. Defendent: David Christian Richter.



Programm zur Verteidigung der Dissertation "De concursu creditorum" durch David Friedrich Richter, enthaltend auch Bemerkungen Mantzels zur Entscheidung der Frage, "wer die Witzigsten sind und heissen". Rostock 1752. Mantzel, dem einer seiner Biographen eine gewisse "Polypragmosyne", eine ausgeprägte Neigung zur Vielgeschäftigkeit, attestierte, nutzte hier die Gelegenheit, auf Kosten des Promovenden (der für den Druck aufkommen musste), eine seiner vielfältigen Gelegenheitsschriften zu publizieren. Es finden sich zahlreiche deutsche Einschübe.




An stuprata in concursu creditorum dotem et alimenta infantis petere possit - Kann eine geschändete Frau im Konkursfall eine Mitgift und Unterhaltszahlungen für das Kind verlangen. Leipzig 1756. Präses: Friedrich Gottlieb Zoller. Defendent: Georg Friedrich Tischer. Zoller, dessen gesamte akademische Karriere an der Universität Leipzig verlief,  ist durch kein größeres Werk hervorgetreten, verfasste aber eine Fülle an Programmen und Dissertationen und war an einer Vielzahl von Promotionen beteiligt.




De taxatione et acceptatione in solutum interimistica praediorum debitoris in concursu - Über die Taxierung und vorläufige Inzahlungnahme von Gütern eins Schuldners beim Konkurs. Göttingen 1770. Präses: Gustav Bernhard Bec(k)mann. Defendent: Johannes Georg Kaemmerer.





De compensatione creditorum in concuru - Über den Ausgleich für die Gläubiger im Konkurs. Jena 1770. Präses: Carl Friedrich Walch. Defendent: Johann Ernst Schmid.



(Abbildung der Rückseite, Schlussseite 24, von der aus das Exemplar durch einen rückwärtigen Einstoß bis zur Seite 16 beschädigt ist. Die Lesbarkeit ist dadurch nur geringfügig beeinträchtigt).





De concursu creditorum lites alibi pendentes non turbante - Über den Konkurs der Kreditoren, der anderweitig anhängende Rechtsstreitigkeiten nicht berührt. Rostock 1789. Präses: Walter Vincent Wiese. Defendent: Georg Wiese. Wie die älteste, so wurde auch die jüngste der hier präsentierten Dissertationen vom Sohn des jeweiligen Präses verteidigt (ein seinerzeit nicht ganz ungewöhnliches Verfahren).


Preis dieser Sammlung (MwSt. und versicherter Versand incl.): 9.750 Euro.